Quelle_-_IFK-Praxis_Frank_Lehwald___Foto_Therapeutisches_Klettern.jpg

Therapeutisches Klettern vielseitig einsetzbar

Der Weg ist das Ziel

Klettern ist als Trendsportart bekannt und wird immer häufiger begeistert als Alternative zum Krafttraining im Fitnessstudio durchgeführt. Das therapeutische Klettern hingegen kommt in Deutschland bisher nur selten zum Einsatz. Dabei sind die verschiedenen, positiven Effekte auf Koordination, Muskelstabilisierung und Beweglichkeit durch wissenschaftliche Studien belegt.
Darüber hinaus gibt es klare Hinweise, dass im Krankheitsfall nicht betroffene Nervenzellen im Gehirn durch das therapeutische Klettern dazu angeregt werden, verloren gegangene Hirnfunktionen (z. B. Steuerung und Kontrolle von Bewegungen) zu übernehmen. Somit kann eine Kletter-Therapie vielfältig eingesetzt werden, etwa bei Rückenschmerzen oder Gelenkverletzungen, aber z. B. auch nach einem Schlaganfall. „Therapeutisches Klettern stellt eine sinnvolle Ergänzung zur klassischen Physiotherapie dar“, erklärt Ute Repschläger, Vorsitzende des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten – IFK e. V.
Beim therapeutischen Klettern werden gezielte Übungen an neigbaren Therapiewänden im Boulderbereich – d. h. stets in Absprunghöhe – durchgeführt. Hier liegt auch schon ein erkennbarer Unterschied zum Sportklettern: Es geht nicht immer nach ganz oben und die Schwierigkeit der Routen steht ebenfalls im Hintergrund.
Verschiedene Bewegungen, z. B. Greif- und Zugbewegungen, welche mit dem gesamten Körper ausgeführt werden, fördern sowohl die sensorischen als auch die motorischen Fertigkeiten.
Die tiefensensiblen Reize verhelfen so u. a. zu einem besseren Gleichgewicht und einer Anpassung der Muskulatur. Die motorischen Fähigkeiten Koordination, Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit der Patienten werden geschult, wodurch das therapeutische Klettern einen positiven Effekt auf den gesamten Körper hat. „Durch die Vielfalt der Effekte können auch Patienten mit langjährigen Problemen am Bewegungsapparat vom Klettern profitieren“, so Ute Repschläger.
Patienten mit Rückenschmerzen oder einer Wirbelsäulenverkrümmung (Skoliose) haben oftmals bereits viele Therapieansätze ausprobiert und werden somit vereinzelt „therapiemüde“. Und genau hier hilft das therapeutische Klettern, wie eine Studie zeigt [Schluep, A., 2016]: Bereits nach vierwöchiger Klettertherapie verbesserte sich die gesundheitsbezogene Lebensqualität und die Rumpfkraft. Zudem stieg auch die Griffkraft deutlich. Ebenfalls konnte gezeigt werden, dass es zu einer Zunahme der Wirbelsäulenmobilität kam, wodurch die Prävention von Rückenbeschwerden unterstützt wird.
Therapeutisches Klettern stellt ein abwechslungsreiches Training dar, bei dem der gesamte Körper gefordert und gefördert wird. Diesen ganzheitlichen Körpereinsatz mit speziellen Bewegungsmustern gibt es an kaum einem anderen Trainingsgerät. Ute Repschläger hierzu: „Je nach zugrundeliegender Erkrankung werden alltagsrelevante Bewegungsübergänge trainiert, die beide Körper- und Gehirnhälften verknüpft, die Rückenmuskeln gekräftigt oder Beinachsen und Schultergelenke stabilisiert.“
Neben dem Einsatz in Therapie und Rehabilitation, findet therapeutisches Klettern auch in der Prävention immer mehr Anwendung. Es beugt Haltungsschwächen und einem muskulären Ungleichgewicht vor, regt das Herz-Kreislauf-System an und vermittelt daneben noch Spaß an der Bewegung.

Weitere Artikel

Unternehmerluft schnuppern: IFK-Businessplanwettbewerb lockt mit 4.000 Euro Preisgeld

2026 | 31.07. Wie wäre es mit 2.500 beziehungsweise 1.500 Euro und gleichzeitig noch ein wenig Unternehmerluft schnuppern? Mit dem IFK-Businessplanwettbewerb wird das möglich! Auch dieses Jahr können Physiotherapieschüler oder -studenten wieder einen Businessplan für eine fiktive Physiotherapiepraxis mit bis zu drei therapeutischen Mitarbeitern entwerfen und beim IFK einreichen. Eine fachkundige Jury bewertet die Konzepte und kürt die Ersteller der beiden besten Pläne

GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz in Kraft getreten: Auswirkungen auf die versorgungsbezogene Pauschale

2026 | 30.07. Mit der Unterzeichnung des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes und der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt am 29. Juli 2026 wird die erste Auswirkung des BStabG in der Physiotherapie und Ergotherapie ab dem 30. Juli 2026 wirksam. Die versorgungsbezogene Pauschale für den erhöhten Aufwand bei der Blankoverordnung entfällt. Diese gesetzliche Vorgabe gilt für alle Blankoverordnungen ab Ausstellungsdatum 30. Juli 2026. 

Unterwegs für die Physiotherapie

2026 | 28.07. In Zeiten politischer Weichenstellung ist ein enger Austausch mit den relevanten Akteuren aus Politik und Gesundheitswesen besonders wichtig. Die IFK-Vorstandsvorsitzende Ute Repschläger und der IFK-Geschäftsführer Dr. Björn Pfadenhauer nutzten daher auch in den vergangenen Wochen wieder zahlreiche Termine, um die Anliegen der Physiotherapie in den politischen Diskurs einzubringen.